Der Head of Area Management Central Europe in EMONS Spedition GmbH, Herr Wilbert Herff mit einem Interview für die Zeitschrift Logistica über die Auswirkungen der globalen Prozesse auf die Frachtströme und ihren Einfluss auf die Transport- und Logistikwirtschaft in Bulgarien:

Seit ihrer Gründung im Jahr 1928 hat die Emons-Gruppe weltweit 78 Niederlassungen (in Deutschland, Weißrussland,  China, Tschechien, Italien, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, der Schweiz, der Türkei und der Ukraine). In Europa arbeitet der deutsche Speditionskonzern mit 40 Partnern zusammen. In Bulgarien besitzt er 20% von der MW LOGISTICA.

Wir treffen Herrn Wilbert Herff bei seinem letzten Besuch in Bulgarien, um zu erfahren, wie der deutsche Manager die Auswirkungen der globalen Prozesse auf die Frachtströme und die Stellung Bulgariens im weltweiten Transport- und Logistikschema deutet.

Herr Herff, wie sind aus Ihrer Sicht die unternehmerischen Rahmenbedingungen in Bulgarien? Wie entwickeln sich die Handlesbeziehungen mit Deutschland?
Aus der Sicht eines deutschen Geschäftsmanns kann ich sagen, dass im Ganzen der Markt in den letzten paar Jahren keine so schnelle Entwicklung aufweist wie früher. Was die Außenhandelsbilanz zwischen Bulgarien und Deutschland angeht, ist bestimmt eine konsequente positive Entwicklung festzustellen. Weltweit liegt Ihr Land auf Platz vierundvierzig der Außenhandelspartner Deutschlands. Der deutsche Speditionskonzern Emons hat eine konsequente und langfristige Strategie für Bulgarien, die durch unser Engagement gegenüber MW LOGISTICA zum Ausdruck kommt. Unser Wunsch ist, aktiv und mit großen Schritten unsere Tätigkeit auf den kleineren Märkten auszubauen.

Was geschieht auf den internationalen Märkten? Gibt es Hinweise dafür, dass sich Europa von der Krise erholt?
Ich finde nicht, dass wir die Krise bewältigt haben. Besonders wenn wir an die Staatsverschuldung von Italien, Frankreich und sogar von Deutschland denken. Wenn wir in unsere Analyse außer der europäischen Staaten auch Brasilien, dessen Wirtschaft große Schläge erlitten hat, wie auch die drastische Erhöhung der US Staatsverschuldung einbeziehen, werden wir uns davon überzeugen, dass wir uns von der Krise gar nicht erholt haben. Es ist auch eine relative Beruhigung des Wirtschaftswachstumstempos in Asien zu spüren. Die Spediteure verfügen über Frühindikatoren darüber, was mit der chinesischen Wirtschaft passiert. Wenn zum Beispiel China viel verkauft, bleibt eine Vielzahl von Containern auf der Rückfahrt leer. Das führt zu einer enormen Senkung der Preise für Import in den asiatischen Staat. Wenn aber China nicht so viel verkauft, dann steigen die Importpreise des Containertransports. Ein anderes vorzeitiges Signal sind die Geschehnisse im Bereich der Luftfracht. Die Verringerung der Menge der per Luftfracht beförderten Güter ist für uns ein sehr aussagekräftiges Zeichen, dass sich die Wirtschaft abkühlt, d.h. die Hersteller beginnen nach anderen kostengünstigeren Transportmöglichkeiten zu suchen. Die USA, China und Japan zählen zu den wichtigsten Ländern, die die Entwicklung der Weltwirtschaft und dementsprechend die Entwicklung der Frachtströme bestimmen, und Deutschland hat eine führende Rolle im Rahmen der EU. Auch in unserem Land geschehen meiner Meinung nach einige nicht so vielversprechende Ereignisse. Die Unternehmen in Deutschland schätzen die Maßnahmen der neuen Koalition für die Unternehmensförderung als eher entmutigend. Das für das Jahr 2014 geplante Wachstum der deutschen Wirtschaft ist bescheiden. Die verschiedenen Institute prognostizieren ein Wachstum zwischen 0,8 und 1,8 %. Die deutsche Regierung hat ihre Wachstumsprognose auf 1,7% aktualisiert. Die Europäische Kommission und die Welthandelsorganisation nennen dieselben Zahlen während der Internationale Währungsfonds ein Wachstum von 1,4% erwartet.

Was für einen Teil des BIP von Deutschland wird vom Transport- und Logistiksektor bestimmt?
Das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland bis September 2013 wird auf 690 Mrd. EUR geschätzt. Der Transport- und Logistiksektor nimmt den dritten Platz nach dem Indikator Anteil am BIP ein. Die Erwartungen sind, dass für das Gesamtjahr 2013 die Logistik (die Tätigkeit der Logistikdienstleistungsanbieter zzgl. der selbständigen Logistiktätigkeit der Industriebetreiber) einen Anteil von ca. 180 Mrd. EUR erreicht.

Erhöht sich der Frachtgutverkehr zwischen Russland und den europäischen Ländern? Welche sind die Pläne von Emons in Bezug auf eine künftige Entwicklung in diesem Land?
Russland ist ein sehr wichtiger Partner. Deutschland verkauft viele Waren auf dem russischen Markt, und diese Tendenz wird in den letzten Jahren immer mehr verstärkt. Andererseits aber, abgesehen von unseren Plänen und Prognosen, kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Wie es z.B. mit der Ukraine passiert ist, die wir bis vor kurzem als ein künftiges EU-Mitgliedsland betrachtet haben. Momentan erwarten wir keine starke positive Entwicklung der Außenhandelsbeziehungen mit Russland, der Ukraine und Weißrussland. Aber selbstverständlich bleibt Russland ein ernsthafter internationaler Partner von uns.

Steht eine Neugestaltung der Landkarte der Weltverkehrsströme bevor?
Es hängt davon ab, wo was hergestellt und wohin was befördert wird, wie auch wohin die Produktionsstandorte verlagert werden. Wenn China zum Beispiel sich entscheidet, seine Präsenz auf dem europäischen Automobilmarkt enorm zu stärken, dann würden bestimmt viele Unternehmen im Bereich der Automobilherstellung ihre Standorte in die Nähe des entsprechenden industriellen Hubs verlagern. In Belgien und in Frankreich ist ein starker Rückgang im Bereich der Automobilherstellung, wie auch im Bereich der sie begleitenden Industrie zu beobachten Das ist darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen ihre Standorte in die neuen EU-Mitgliedsländer zu verlagern begannen. In Rumänien und Kroatien zum Beispiel wurden große Investitionen in diesem Bereich gemacht. Ich hoffe, das geschieht auch in Bulgarien.

Vor kurzem ist ein Bericht von Jones Lang LaSalle erschienen, laut welchem der Seehandel ein wesentliches Wachstum bis 2030 erreichen wird. Wie sehen Sie die globale Entwicklung der Transportmodelle und der Logistik?
Ca 15% unseres Umsatzes sind auf den Bereich Luft- und Seefracht zurückzuführen. Meiner Meinung nach wird sich der Seehandel in den kommenden 20 Jahren definitiv entwickeln, und zwar im Bereich der klassischen Destinationen wie der Import aus dem Fernen Osten. Die Hersteller werden gezwungen, ihre Produktion immer näher zum Markt zu verlagern, auf den sie sich fokussiert haben. Volkswagen zum Beispiel baut ein Werk direkt in China. Dort werden Autos der mittleren Klasse hergestellt. Selbstverständlich wird ein Teil der Produktion dieser Werke, wenn sie nicht in China vertrieben wird, nach Europa zurückkommen, um dort verkauft zu werden. Der Handel und der Transport sind nicht anders als auf See zu verwirklichen, und China ist ein enorm großer Markt.
Das ganze Interview können Sie hier lesen.

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